Kirill Golovchenko / 7km – Feld der Wunder

Kirill Golovchenko / 7km - Feld der Wunder

Kirill Golovchenko / 7km - Feld der Wunder

Kirill Golovchenko / 7km - Feld der Wunder

Kirill Golovchenko / 7km - Feld der Wunder

Kirill Golovchenko / 7km - Feld der Wunder

Kirill Golovchenko / 7km - Feld der Wunder

Kirill Golovchenko / 7km - Feld der Wunder

Kirill Golovchenko / 7km - Feld der Wunder

Kirill Golovchenko / 7km - Feld der Wunder

Kirill Golovchenko / 7km - Feld der Wunder

Kirill Golovchenko / 7km - Feld der Wunder

Kirill Golovchenko / 7km - Feld der Wunder

Kirill Golovchenko / 7km - Feld der Wunder

Kirill Golovchenko / 7km - Feld der Wunder

Kirill Golovchenko / 7km - Feld der Wunder

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Kirill Golovchenko / 7km - Feld der Wunder

Kirill Golovchenko / 7km - Feld der Wunder

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Kirill Golovchenko / 7km - Feld der Wunder

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Kirill Golovchenko / 7km - Feld der Wunder

Kirill Golovchenko / 7km - Feld der Wunder

Kirill Golovchenko / 7km - Feld der Wunder

Kirill Golovchenko / 7km - Feld der Wunder

Kirill Golovchenko / 7km - Feld der Wunder

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Feld der Wunder
Sieben Kilometer vor den Toren Odessas befindet sich der größte Marktplatz Europas. Der älteste Teil des Marktes heißt »Feld der Wunder«. Treffender wäre es, den ganzen Markt »Feld der Wunder« zu nennen. Früher baute man hier Weizen an, außerdem befand sich an dieser Stelle die Müllverbrennungsanlage.

Die Anfänge des Marktes gehen auf die Zeit des Zweiten Weltkriegs zurück. 1989 wurde aus dem berühmtesten Trödelmarkt der Sowjetunion nach und nach Europas größtes Einkaufszentrum. Anfangs nur 4 Hektar groß, umfasst er heute über 70 Hektar – Waren, so weit das Auge reicht. »7km« ist fast zehn Mal größer als das »Centro« in Oberhausen und fast doppelt so groß wie die berühmte »Mall of America« im amerikanischen Bloomington. Die meisten Geschäfte sind weder in Gebäuden noch in Kiosken untergebracht. Vielmehr befinden sie sich in unzähligen Reihen aufeinander gestapelter Schiffscontainer, 16.000 an der Zahl. Oben werden die Waren gelagert, eine Etage tiefer wird verkauft. Die Geschäfte haben keine Namen, nur Nummern. Davor und dazwischen gibt es zahllose Zelte und Pavillons. Der Markt ist ein Odessa im Kleinen und ein Staat im Staate mit eigenen Gesetzen und Regeln. Die Containerstraßen sind sehr lang und zur besseren Orientierung farblich jeweils einheitlich markiert. Es gibt die Weiße-, Gelbe-, Blaue-, Hellblaue-, Aprikose-, Graue-, Grüne-, Rosa-Straße, um nur einige zu nennen.

Spielzeug und Schuhe, Töpfe und Kosmetik, CDs und Computer, Autos und Waschmaschinen, Stifte und Bettwäsche, Bücher, Besen und natürlich Klamotten in allen Formen und Farben – alles, was ein Mensch zum Leben brauchen kann, wird auf dem »7km« angeboten. Fast alles ist auffällig billig, selbst für ukrainische Verhältnisse. Noch vor kurzem, und dies gilt es hierbei zu erinnern, war das völlig anders. Da musste die hiesige Bevölkerung ihr Überleben meistern, ohne auf ein solches Warenangebot zurückgreifen zu können.

Die meisten Waren, die auf dem Markt angeboten werden, sind aus China, der Türkei oder »Importe aus Odessa«. Jedem Besucher des Marktes ist klar, dass unmöglich alles mit rechten Dingen zugehen kann, wenn Chanel-No.5-Flaschen für 3 Dollar und Nike-Turnschuhe für 25 Dollar verkauft werden. Es gibt zwar Kontrollen, aber bevor die Steuerpolizei anrückt, hat es sich schon längst herumgesprochen. Und alle Läden sind dicht. »7km« ist täglich außer freitags geöffnet. Mit 20.000 Verkäufern, über 1.500 Bediensteten und mehr als 10.000 Trägern ist der Markt einer der größten regionalen Arbeitgeber. Insgesamt arbeiten dort etwa 60.000 Menschen. Viele der Verkäufer haben in den 90er Jahren ihre staatlichen Jobs aufgegeben, da sie mit dem kargen Lohn ihren Lebensunterhalt nicht bestreiten konnten. Täglich kommen 200.000 Wiederverkäufer und Einzelkäufer aus der Ukraine, Russland, der Republik Moldau und sogar aus einigen EU-Staaten hierher.

Mindestens einmal im Monat kommt jede Familie aus Odessa statistisch gesehen zum Einkauf und lädt ihren Wagen voll bis unters Dach. 60% der Ukrainer (ca. 28 Millionen Menschen) kaufen ihre Bekleidung auf dem »7km«. Der geschätzte Marktumsatz beträgt täglich über 20 Millionen amerikanische Dollar. Die monatlichen Mietpreise für einen Container fangen bei 1.500 Dollar in der Grünen-Straße an und enden bei 7.000 Dollar in der Rosa-Straße. Der Kaufpreis für einen Container beträgt je nach Lage bis zu 200.000 Dollar.

Ähnliche Märkte, nur wesentlich kleiner, gibt es überall in der Ukraine und anderen ehemaligen Sowjetrepubliken, wo vor 70 Jahren die Unternehmerschicht ausgerottet wurde. Diese Märkte geraten gegenwärtig freilich in immer stärkere Konkurrenz zu den sich rasch entwickelnden Supermarkt-Ketten wie z.B. »Metro«. So gibt der immer noch enorme Umschlag auf »7km« denn auch exemplarisch Auskunft über die aktuelle Wirtschaftslage des Landes. In Osteuropa haben derartige Märkte in den ersten drei bis fünf Jahren nach dem Übergang zur Freien Marktwirtschaft aufgehört zu existieren. Dieses Beispiel lehrt, dass die »gleichzeitige Ungleichzeitigkeit« von Markt und Supermarkt sich früher oder später zugunsten des letzteren auflösen wird. Das Schicksal des »7km« entscheidet sich mit der Entwicklung der ukrainischen Wirtschaft; sobald diese sich, wie zu hoffen ist, konsolidiert haben wird, werden auch die Container das »Feld der Wunder« räumen.


Kirill Golovchenkos Dokumentation 7km – Feld der Wunder ist als Fotobuch gerade bei Snoeck erschienen, einen Einblick gibt es unten, bei Schaden sind noch signierte Ausgaben zu bekommen!

mit freundlicher Genehmigung des Künstlers / courtesy of the artist

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